Roche investiert 790 Millionen Franken in Basel
Roche investiert rund 790 Millionen Franken in Bau 51 und die Modernisierung von Bau 50 in Basel. Die neue Produktionsinfrastruktur soll bis 2030 fertiggestellt werden.
Der Pharmastandort Basel erhält eine weitere Grossinvestition.Roche investiert rund 790 Millionen Franken in eine neue Produktionsinfrastruktur für synthetische Wirkstoffe an seinem Hauptsitz. Am Montag, 21. September, setzte der Schweizer Pharmakonzern einen weiteren wichtigen Meilenstein für das Projekt: den Grundstein für das neue Gebäude 51.
Gemeinsam mit der Modernisierung des benachbarten Gebäudes 50 entsteht daraus die sogenannte Synthetic Molecules Facility, kurz SMF.Die Anlage soll bis 2030 vollständig fertiggestellt sein und rund 200 hochqualifizierten Mitarbeitenden Platz bieten.
Die Dimension des Projekts ist bemerkenswert – nicht nur wegen der Investitionssumme. Roche will in der neuen Anlage klassische chemische Produktion mit vollständig digital vernetzter Infrastruktur und künstlicher Intelligenz verbinden. Damit soll die Herstellung zunehmend komplexer Wirkstoffe schneller, flexibler und effizienter werden.
Rund die Hälfte des Roche-Pharmaportfolios basiert auf synthetischen Molekülen
Synthetische Moleküle gehören seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Bausteinen moderner Medikamente. Im Gegensatz zu grossen biologischen Wirkstoffen wie Antikörpern handelt es sich häufig um vergleichsweise kleine Moleküle, die chemisch hergestellt werden. Ein entscheidender Vorteil solcher Wirkstoffe ist, dass sie in vielen Fällen als Tablette oder Kapsel eingenommen werden können. Bei Roche machen synthetische Moleküle nach Unternehmensangaben bereits ungefähr die Hälfte des pharmazeutischen Portfolios aus.
Gleichzeitig werden diese Wirkstoffe technisch immer anspruchsvoller.
Komplexere Molekülstrukturen benötigen neue Herstellungsverfahren, präzisere Prozesssteuerung und eine Produktion, die sich schneller von kleinen Entwicklungsmengen auf industrielle Volumen hochskalieren lässt.
Genau dafür ist die neue Basler Anlage vorgesehen.
Produktion, Digitalisierung und KI unter einem Dach
Das Projekt ist deshalb mehr als der Bau einer klassischen Chemiefabrik.
Die Synthetic Molecules Facility soll Produktionsprozesse digital miteinander verbinden und Daten direkt aus den Anlagen nutzen.
Künstliche Intelligenz kann dabei beispielsweise helfen, Produktionsparameter zu überwachen, Prozessabläufe zu optimieren oder Abweichungen frühzeitig zu erkennen.
Roche bezeichnet die Anlage als einen wichtigen Schritt, um Forschung, Entwicklung und Produktion näher zusammenzubringen.
Das hat einen praktischen Grund.
Zwischen der Entdeckung eines neuen Wirkstoffs und seiner industriellen Herstellung liegen normalerweise viele verschiedene Entwicklungsschritte.
Ein Molekül, das im Forschungslabor in sehr kleinen Mengen hergestellt werden kann, muss später zuverlässig, reproduzierbar und unter strengen Qualitätsvorgaben in deutlich grösseren Mengen produziert werden.
Je enger Forschung, Prozessentwicklung und Produktion zusammenspielen, desto schneller kann dieser Übergang gelingen.
Bau 51 wird sieben Stockwerke hoch
Auch baulich ist das Projekt erheblich.
Das neue Gebäude 51 wird rund 40 Meter hoch und sieben oberirdische Geschosse umfassen. Die vollständige Umsetzung des Projekts – einschliesslich der Modernisierung von Gebäude 50 – soll nach aktuellem Plan bis zum vierten Quartal 2030 abgeschlossen sein.
Die Gesamtinvestition von rund 790 Millionen Franken umfasst beide Gebäudeteile.
Wichtig ist dabei eine saubere Einordnung: Roche spricht von ungefähr 200 Arbeitsplätzen in der Produktion synthetischer Moleküle. Das bedeutet nicht zwingend, dass sämtliche Stellen neu geschaffen werden; teilweise können bestehende Funktionen in die neue Infrastruktur überführt werden.
Für Basel bleiben jedoch rund 200 hochqualifizierte Arbeitsplätze langfristig an einer hochmodernen Produktionsanlage gebunden.
Roche investiert derzeit 1,4 Milliarden Franken in Basel und Kaiseraugst
Die neue Anlage ist nur ein Teil eines erheblich grösseren Investitionsprogramms. Roche gibt an, derzeit rund 1,4 Milliarden Franken in laufende Bauprojekte an den Standorten Basel und Kaiseraugst zu investieren. Noch eindrucksvoller ist der Blick über einen längeren Zeitraum.
Seit 2016 habe das Unternehmen ungefähr 41 Milliarden Franken in der Schweiz investiert. Davon seien mehr als sieben Milliarden Franken in den Ausbau und die Modernisierung von Standorten geflossen. Über 33 Milliarden Franken gingen nach Unternehmensangaben in Forschung und Entwicklung. Diese Zahlen stammen von Roche selbst, zeigen aber die aussergewöhnliche Bedeutung der Schweiz innerhalb des Konzerns.
Basel bleibt ein globaler Pharmastandort
Die neue Investition ist auch deshalb interessant, weil Pharmaunternehmen ihre Produktionsstandorte heute weltweit vergleichen.
Entscheidend sind dabei nicht nur Lohnkosten. Bei hochkomplexen Medikamenten spielen Forschungsnähe, qualifizierte Mitarbeitende, Prozesswissen, Infrastruktur, regulatorische Erfahrung und die Möglichkeit, neue Technologien schnell in bestehende Abläufe zu integrieren, eine zentrale Rolle.
Basel besitzt in diesen Bereichen einen ungewöhnlich starken Cluster. Neben Roche befinden sich dort zahlreiche Pharma-, Biotech-, Chemie- und Life-Sciences-Unternehmen sowie spezialisierte Zulieferer, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Wenn ein global tätiger Konzern fast 800 Millionen Franken in eine neue Produktionsgeneration am Schweizer Hauptsitz investiert, ist das deshalb auch ein Standortsignal.
KI wird zunehmend Teil der Pharmaindustrie
Besonders interessant ist der wachsende Zusammenhang zwischen künstlicher Intelligenz und klassischer industrieller Produktion.
KI wird in der Pharmabranche häufig mit der Suche nach neuen Medikamenten verbunden. Doch ihr Einfluss geht deutlich weiter. Produktionsanlagen erzeugen riesige Mengen an Prozessdaten – beispielsweise über Temperatur, Druck, Reinheit, chemische Reaktionen oder Anlagenzustände.
Werden diese Daten systematisch ausgewertet, können Modelle helfen, Produktionsprozesse stabiler und effizienter zu steuern. Roche investiert parallel bereits massiv in KI-Recheninfrastruktur und hat in diesem Jahr seine Zusammenarbeit mit Nvidia erweitert. Der Konzern will künstliche Intelligenz unter anderem in Forschung, Diagnostik und Produktionsoptimierung stärker einsetzen.
Bau 51 zeigt nun, wie diese Digitalisierungsstrategie zunehmend auch in der physischen Produktion sichtbar wird.
Medikamente schneller vom Labor in die Produktion bringen
CEO Thomas Schinecker nennt als zentrales Ziel der neuen Anlage, neue Medikamente schneller aus der Entwicklung in die Produktion und damit letztlich zu Patientinnen und Patienten zu bringen. Das ist ambitioniert. Ein neues Gebäude allein beschleunigt keine Medikamentenentwicklung. Klinische Studien, Zulassungen und wissenschaftliche Risiken bleiben entscheidende Faktoren.
Doch eine moderne Produktionsplattform kann zumindest einen Teil der industriellen Übergänge vereinfachen. Gerade bei immer komplexeren Wirkstoffen gewinnt diese Fähigkeit an Bedeutung.
Ein starkes Signal für den Standort Schweiz
Die Investition liefert deshalb eine ausgesprochen positive Schweizer Wirtschaftsgeschichte.
Ein globaler Pharmakonzern investiert 790 Millionen Franken am eigenen Schweizer Hauptsitz. Rund 200 hochqualifizierte Arbeitsplätze sollen in der neuen Anlage angesiedelt sein. KI, Digitalisierung und moderne Wirkstoffproduktion werden in einer neuen Infrastruktur miteinander verbunden.
Und gleichzeitig investiert Roche weiterhin Milliarden in Schweizer Forschung und Entwicklung. Für Basel bedeutet Bau 51 damit weit mehr als ein weiteres neues Gebäude auf dem Roche-Areal.
Es ist ein langfristiger Entscheid, hochkomplexe pharmazeutische Produktion auch künftig in der Schweiz zu verankern.
