Infomaniak startet an der SIX: Schweizer Cloud-Pionier erreicht nächsten grossen Meilenstein

 Infomaniak startet an der SIX: Schweizer Cloud-Pionier erreicht nächsten grossen Meilenstein

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Ein Schweizer Technologieunternehmen, das vor mehr als drei Jahrzehnten in Genf entstand und seinen Wachstumskurs lange ohne externes Eigenkapital finanzierte, ist nun selbst Teil des Schweizer Aktienmarkts: Infomaniak wird seit dem 1. Oktober 2026 an der SIX Swiss Exchange gehandelt.

Die Aktie trägt den Ticker INFO und eröffnete am Donnerstag bei 56 Franken. Auf Basis dieses Kurses belief sich die Marktkapitalisierung der an der Börse gehandelten B-Aktien laut SIX auf rund 262 Millionen Franken. S

Damit erreicht eines der bekanntesten unabhängigen Schweizer Cloud-Unternehmen einen bemerkenswerten Meilenstein.

Infomaniak ist heute weit mehr als ein klassischer Webhoster. Das Unternehmen betreibt eigene Cloud-Infrastruktur und bietet unter anderem Speicher-, Hosting-, Streaming-, Kollaborations- und KI-Dienste an. Im Mittelpunkt steht dabei das Konzept einer souveränen europäischen Cloud, bei der Infrastruktur, Software und Datenkontrolle möglichst stark innerhalb der Schweiz beziehungsweise Europas bleiben. SIX

Kein klassischer Börsengang

Eine wichtige Besonderheit darf bei der Einordnung allerdings nicht fehlen.

Infomaniak kam nicht über einen klassischen IPO an die Börse. Stattdessen erfolgte die Kotierung über ein sogenanntes Reverse Takeover der Perrot Duval Holding, einer bereits seit Jahrzehnten kotierten Schweizer Gesellschaft.

Bei einem klassischen Börsengang werden häufig neue Aktien ausgegeben und damit unmittelbar frisches Kapital aufgenommen. Die Infomaniak-Transaktion ist anders strukturiert.

Die Bedeutung der Kotierung liegt deshalb zunächst vor allem darin, dass Infomaniak nun Zugang zum öffentlichen Kapitalmarkt besitzt. Bei Bedarf könnte dieser Zugang künftig genutzt werden, um weiteres Kapital für Expansion und Investitionen aufzunehmen.

Gerade dieser Unterschied ist wichtig, weil der Schritt ansonsten leicht als unmittelbar vollzogene Kapitalerhöhung missverstanden werden könnte.

Vom Genfer Unternehmen zum europäischen Cloud-Anbieter

Die Geschichte von Infomaniak begann bereits 1994.

Nach eigenen Angaben entwickelte sich das Unternehmen über mehr als 30 Jahre ohne externes Eigenkapital. Seit 2017 werden sämtliche Gewinne wieder in das Unternehmen investiert. Infomaniak beschäftigt inzwischen mehr als 300 Personen in der Schweiz und zählte vor der Börsenkotierung rund 300’000 zahlende Kundinnen und Kunden.

Damit unterscheidet sich die Geschichte deutlich von vielen klassischen Technologie-Startups.

Infomaniak finanzierte sein Wachstum nicht durch eine lange Reihe von Venture-Capital-Runden, sondern weitgehend aus der eigenen Geschäftstätigkeit.

Gerade deshalb ist der Börsenzugang nach drei Jahrzehnten bemerkenswert: Er markiert einen Übergang von einem privat aufgebauten Schweizer Technologieunternehmen zu einer Gesellschaft mit Zugang zum öffentlichen Kapitalmarkt.

Neue Rechenzentren und mehr KI

Die SIX nennt mehrere Bereiche, in denen dieser Zugang langfristig eine Rolle spielen könnte.

Dazu gehören zusätzliche Rechenzentrumskapazitäten in der Schweiz, eine stärkere Integration künstlicher Intelligenz in Cloud- und Kollaborationsdienste, mehr Forschung und Entwicklung sowie die weitere kommerzielle Expansion in Europa. SIX

Gerade das Thema digitale Souveränität gewinnt dabei an Bedeutung.

Unternehmen, Behörden und andere Organisationen diskutieren zunehmend darüber, wo ihre Daten gespeichert werden, welchem Recht Cloud-Dienste unterliegen und wie stark sie von wenigen grossen internationalen Technologieanbietern abhängig sein wollen.

Infomaniak positioniert sich hier bewusst als Schweizer beziehungsweise europäische Alternative.

Das bedeutet nicht, dass das Unternehmen mit den globalen Hyperscalern in jeder Grössenordnung konkurriert. Die strategische Positionierung ist vielmehr eine andere: lokale Infrastruktur, Datenschutz, eigene Technologie und Kontrolle über zentrale Teile des technischen Stacks.

Kontrolle bleibt bei der Infomaniak-Stiftung

Auch nach der Kotierung soll die Kontrolle über das Unternehmen nicht einfach an den Aktienmarkt übergehen.

Infomaniak besitzt zwei Aktienklassen. Die an der SIX gehandelten B-Aktien repräsentieren den börsenkotierten Teil. Daneben bestehen nicht kotierte A-Aktien, über welche die gemeinnützig anerkannte Infomaniak-Stiftung die Mehrheit der Stimmrechte hält. SIX

Damit versucht das Unternehmen zwei Ziele miteinander zu verbinden: Zugang zum Kapitalmarkt und gleichzeitig die langfristige Sicherung seiner strategischen Unabhängigkeit.

Für Kundinnen und Kunden sollen sich durch die Kotierung weder bestehende Verträge noch Dienstleistungen oder der Standort ihrer Daten verändern. Infomaniak News

Erster reiner Anbieter einer souveränen Cloud an der SIX

Nach Angaben der SIX ist Infomaniak der erste reine Anbieter souveräner Cloud-Lösungen, der an der Schweizer Börse kotiert ist. Gleichzeitig ist das Unternehmen die erste zertifizierte B Corp an der SIX. Die Aktie soll zudem in die Indexfamilie des Swiss Performance Index aufgenommen werden. SIX

Damit erhält die Schweizer Börse einen Technologieanbieter aus einem Bereich, der in den kommenden Jahren strategisch weiter an Bedeutung gewinnen dürfte.

Cloud-Infrastruktur bildet heute die technische Grundlage für einen immer grösseren Teil der digitalen Wirtschaft. Mit dem schnellen Wachstum künstlicher Intelligenz steigt zusätzlich die Nachfrage nach Rechenleistung, Datenspeicherung und hochverfügbarer Infrastruktur.

Eine ungewöhnliche Schweizer Wachstumsgeschichte

Der interessanteste Teil der Infomaniak-Geschichte ist deshalb möglicherweise gar nicht der erste Aktienkurs. Es ist der Weg dorthin.

Aus einem 1994 gegründeten Genfer Unternehmen entstand über Jahrzehnte ein Schweizer Cloud-Anbieter mit eigener Infrastruktur, Hunderten Mitarbeitenden und einer wachsenden internationalen Kundschaft.

Nun folgt die nächste Phase.Die Börsenkotierung garantiert weder weiteres Wachstum noch automatisch neues Kapital. Sie schafft Infomaniak aber eine zusätzliche strategische Möglichkeit: Wenn grössere Investitionen in Rechenzentren, Forschung, künstliche Intelligenz oder die europäische Expansion notwendig werden, steht künftig auch der öffentliche Kapitalmarkt als Finanzierungsinstrument zur Verfügung.

Das macht den Schritt aus Schweizer Technologiesicht besonders interessant.

Infomaniak zeigt, dass ein heimisches Technologieunternehmen aus eigener Kraft eine relevante Grösse erreichen und anschliessend den Weg an den Schweizer Kapitalmarkt schaffen kann – ohne dabei die strategische Kontrolle vollständig abzugeben.

Für den Schweizer Technologie- und Cloud-Standort ist das eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte.

SIX Swiss Exchange: Infomaniak startet den Börsenhandel

Infomaniak: Offizielle Informationen zur Börsenkotierung

cash/AWP: Infomaniak startet mit 56 Franken an der Schweizer Börse

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