Zürcher Cybersecurity-Startup xorlab erhält 5 Millionen Euro – jetzt soll Europa erobert werden
Das Zürcher Cybersecurity-Unternehmen xorlab erhält 5 Millionen Euro in einer Series-A+-Finanzierungsrunde. Das Unternehmen will damit seine KI-gestützte E-Mail-Sicherheit in Europa weiter ausbauen.
Das Zürcher Cybersecurity-Unternehmen xorlab erhält in einer neuen Finanzierungsrunde 5 Millionen Euro. Das von zwei ETH-Absolventen gegründete Unternehmen schützt Organisationen vor modernen Phishing- und E-Mail-Angriffen – und will nun von der Schweiz aus deutlich stärker in Europa expandieren.
Cyberangriffe werden durch künstliche Intelligenz schneller, skalierbarer und teilweise deutlich überzeugender. Gleichzeitig wächst bei europäischen Unternehmen der Wunsch, kritische Sicherheitslösungen und sensible Daten stärker unter eigener Kontrolle zu behalten.
Genau an dieser Schnittstelle positioniert sich ein Schweizer Technologieunternehmen, das nun den nächsten Wachstumsschritt vorbereitet.
Das in Zürich ansässige Cybersecurity-Unternehmen xorlab hat in einer Series-A+-Finanzierungsrunde 5 Millionen Euro aufgenommen. Mit dem zusätzlichen Kapital will das Unternehmen seine Expansion in Europa beschleunigen.
Im Fokus stehen zunächst die DACH-Region, die Benelux-Staaten und die nordischen Länder.
Angeführt wurde die Finanzierungsrunde vom bestehenden Investor Spicehaus Partners. Auch Grapha Holding, EquityPitcher Ventures und ZKB Start-up Finance beteiligten sich erneut.
Für den Schweizer Technologiestandort ist die Finanzierung besonders interessant: xorlab verbindet gleich mehrere Bereiche, in denen die Schweiz international eine starke Position besitzt – Cybersecurity, künstliche Intelligenz, Hochschulforschung und spezialisierte B2B-Technologie.
Aus der ETH Zürich entstanden
Die Geschichte von xorlab begann in Zürich.
Gegründet wurde das Unternehmen 2015 von den beiden ETH-Zürich-Informatikabsolventen Antonio Barresi und Matthias Ganz. Heute konzentriert sich xorlab auf einen der wichtigsten Angriffskanäle moderner Cyberkriminalität: die E-Mail.
Trotz jahrzehntelanger Investitionen in Spamfilter, Antivirus-Technologien und andere Schutzmechanismen bleibt E-Mail für Angreifer ausserordentlich attraktiv.
Der Grund ist einfach. Die Angreifer müssen nicht zwingend ein technisches System hacken. Häufig reicht es, einen Menschen davon zu überzeugen, eine bestimmte Aktion auszuführen.
Genau diese Angriffe werden durch generative künstliche Intelligenz zunehmend gefährlicher.
Wenn eine gefährliche E-Mail völlig normal aussieht
Traditionelle Sicherheitslösungen suchen unter anderem nach bekannten Schadprogrammen, verdächtigen Anhängen, gefährlichen Links oder bereits bekannten Angriffsmustern.
Doch moderne Phishing-Angriffe können ohne diese klassischen Merkmale auskommen.Eine betrügerische E-Mail kann sprachlich perfekt formuliert sein, keinen schädlichen Anhang enthalten und auf keine bekannte Malware zurückgreifen.
Besonders bei Business Email Compromise (BEC) versuchen Angreifer beispielsweise, Mitarbeitende zu einer Zahlung, einer Änderung von Bankdaten oder zur Herausgabe vertraulicher Informationen zu bewegen. Mit generativer KI können solche Nachrichten heute schneller erstellt, personalisiert und sprachlich an bestimmte Personen oder Unternehmen angepasst werden.
Damit verändert sich das Wettrüsten zwischen Angreifern und Verteidigern.
KI soll den Kontext verstehen
xorlab versucht deshalb, eine Nachricht nicht nur isoliert zu beurteilen.
Die Plattform analysiert Kommunikationsverhalten und Beziehungen innerhalb einer Organisation, um zu erkennen, was normalerweise passiert – und was davon abweicht. Das System kann beispielsweise berücksichtigen, ob ein Absender ungewöhnlich ist, ob eine bestimmte Aufforderung nicht zum bisherigen Kommunikationsmuster passt oder ob erstmals eine Zahlung verlangt wird.
Damit soll die Technologie auch Angriffe erkennen können, bei denen klassische Signaturen oder bekannte Schadsoftware fehlen Gerade hier liegt eine der grossen Herausforderungen moderner E-Mail-Sicherheit: Eine Nachricht kann technisch vollkommen unauffällig wirken – und trotzdem Teil eines gezielten Angriffs sein.
Bekannte Schweizer und internationale Kunden
xorlab hat sich inzwischen insbesondere bei Organisationen positioniert, die hohe Anforderungen an Sicherheit, Datenschutz und regulatorische Compliance stellen.
Zu den öffentlich genannten Kunden gehören Julius Bär, Swisscom, Vontobel, G+D und CERN.Damit kann das Zürcher Unternehmen Referenzen aus besonders sicherheitskritischen Branchen vorweisen – darunter Finanzdienstleistungen, Telekommunikation und Forschung. Für ein Schweizer Cybersecurity-Unternehmen, das nun international stärker expandieren möchte, ist das ein wichtiger Vorteil.
Denn im Enterprise-Security-Markt entscheidet nicht nur die Technologie. Vertrauen, Referenzen und die Fähigkeit, komplexe Unternehmensumgebungen zu unterstützen, spielen eine ebenso wichtige Rolle.
Europas Wunsch nach digitaler Souveränität
Die Finanzierungsrunde fällt zudem in eine Zeit, in der das Thema digitale Souveränität in Europa stark an Bedeutung gewinnt.Unternehmen und öffentliche Institutionen diskutieren zunehmend darüber, wie abhängig kritische digitale Infrastruktur von einzelnen internationalen Technologieanbietern sein sollte.Im Cybersecurity-Bereich ist diese Frage besonders sensibel. Sicherheitsplattformen verarbeiten teilweise hochsensible Informationen über Benutzer, Kommunikationsstrukturen, Systeme und potenzielle Sicherheitsvorfälle.
xorlab positioniert sich deshalb bewusst als europäischer Anbieter.Kunden können die Plattform laut Unternehmen vollständig On-Premises, hybrid oder in der Cloud betreiben. Bei der Cloud-Variante verweist xorlab auf die Verarbeitung in europäischen Rechenzentren sowie auf den Betrieb durch Teams in Europa.Diese Flexibilität dürfte insbesondere für Banken, kritische Infrastrukturen, öffentliche Institutionen und andere stark regulierte Organisationen interessant sein.
DORA und NIS2 erhöhen den Druck
Parallel dazu steigen die regulatorischen Anforderungen.
Europäische Regelwerke wie DORA und NIS2 erhöhen den Druck auf Unternehmen, ihre Cyberresilienz und die Sicherheit ihrer digitalen Lieferketten systematischer zu kontrollieren.Für Anbieter europäischer Cybersecurity-Lösungen entsteht daraus ein interessanter Markt. Unternehmen müssen nicht nur Angriffe erkennen und verhindern. Sie müssen zunehmend auch nachweisen können, wie ihre kritischen Systeme betrieben werden, wo Daten verarbeitet werden und welche Abhängigkeiten innerhalb ihrer technologischen Lieferketten bestehen.
Die Kombination aus steigender Bedrohung durch KI-gestützte Angriffe und höheren regulatorischen Anforderungen könnte damit spezialisierten europäischen Security-Anbietern zusätzliche Wachstumschancen eröffnen.
Fünf Millionen Euro für Europa
Mit dem frischen Kapital möchte xorlab genau diese Gelegenheit nutzen.
Die nächste Wachstumsphase soll über den Schweizer Heimmarkt hinausführen.Neben der DACH-Region stehen Benelux und Nordeuropa im Mittelpunkt der Expansion.CEO und Mitgründer Antonio Barresi formuliert dabei einen ambitionierten Anspruch: Europa brauche eigene Cybersecurity-Champions – nicht einfach Kopien bestehender amerikanischer Anbieter, sondern Unternehmen, die eine neue Generation von Enterprise Security mitgestalten können.
Für xorlab bedeutet dies, sich in einem Markt zu behaupten, der von einigen der grössten Technologie- und Cybersecurity-Unternehmen der Welt geprägt wird.Die Herausforderung ist entsprechend gross.
Doch das Zürcher Unternehmen bringt einige interessante Voraussetzungen mit: mehr als zehn Jahre Erfahrung, eine spezialisierte Technologie, etablierte Enterprise-Kunden und nun zusätzliches Wachstumskapital.
Ein starkes Signal für den Schweizer Hightech-Standort
Die Finanzierungsrunde ist auch deshalb bemerkenswert, weil sie exemplarisch zeigt, wie aus Schweizer Hochschulwissen ein international ausgerichtetes Technologieunternehmen entstehen kann.
xorlab wurde von zwei ETH-Absolventen gegründet, hat seinen Hauptsitz in Zürich und arbeitet heute mit bekannten Unternehmen und Institutionen zusammen. Nun soll der nächste Schritt folgen: die stärkere Expansion in Europa.
Fünf Millionen Euro mögen im Vergleich zu den dreistelligen Millionenrunden einiger internationaler KI-Unternehmen zunächst überschaubar erscheinen. Doch gerade im spezialisierten B2B-Cybersecurity-Markt ist nicht allein die Höhe einer Finanzierungsrunde entscheidend.
Wichtiger ist, ob ein Unternehmen ein relevantes Problem löst, anspruchsvolle Kunden gewinnt und seine Technologie international skalieren kann. Und das Problem, das xorlab adressiert, dürfte eher grösser als kleiner werden. Generative KI macht es Angreifern einfacher, überzeugende und personalisierte Nachrichten zu erstellen. Gleichzeitig bleibt E-Mail eines der wichtigsten Kommunikationsmittel der Wirtschaft.
Das bedeutet: Unternehmen benötigen neue Methoden, um nicht nur bekannte Schadsoftware zu erkennen, sondern auch den Kontext und das Verhalten hinter einer Nachricht zu beurteilen.
Genau darauf setzt xorlab.
Aus einem 2015 von zwei ETH-Absolventen gegründeten Zürcher Cybersecurity-Unternehmen soll nun ein stärker europäisch ausgerichteter Security-Anbieter werden. Die neuen 5 Millionen Euro liefern dafür das Wachstumskapital – und machen xorlab zu einer spannenden Schweizer Hightech-Geschichte.
