40 Millionen für Schweizer KI-Biotech: Adaptyv will das Labor der Zukunft bauen

 40 Millionen für Schweizer KI-Biotech: Adaptyv will das Labor der Zukunft bauen

Symbolische Darstellung eines modernen automatisierten Biotechnologie-Labors mit Robotik, Laborinstrumenten und digital visualisierten Proteinstrukturen. Das Motiv steht für die Verbindung von künstlicher Intelligenz, Laborautomation und Proteinentwicklung beim Schweizer Biotech-Unternehmen Adaptyv.

Die nächste grosse Anwendung künstlicher Intelligenz könnte nicht auf einem Bildschirm stattfinden, sondern im Labor. Genau darauf setzt das Schweizer Biotech-Unternehmen Adaptyv aus der Region Lausanne. Das Unternehmen hat eine Series-A-Finanzierungsrunde über 40 Millionen US-Dollar abgeschlossen und will damit seine automatisierte Laborplattform massiv ausbauen.

Die Finanzierungsrunde wird von Highland Europe angeführt. Auch bestehende Investoren wie ACE Ventures, byFounders und Y Combinator beteiligen sich erneut. Für den Schweizer Technologie- und Biotech-Standort ist die Finanzierung bemerkenswert: Adaptyv verbindet mehrere Bereiche, in denen derzeit weltweit enorme Investitionen stattfinden – künstliche Intelligenz, Biotechnologie, Laborautomation und Medikamentenentwicklung.

Wenn KI nicht mehr nur rechnen, sondern experimentieren soll

Generative KI kann heute bereits enorme Mengen möglicher Proteinstrukturen entwerfen. Das eigentliche Problem beginnt jedoch danach: Ein digital entwickeltes Protein muss in der realen Welt hergestellt und getestet werden.

Genau an dieser Schnittstelle setzt Adaptyv an. Das Unternehmen betreibt automatisierte sogenannte Wet Labs. Dort können Proteinvarianten produziert, getestet und die Ergebnisse wiederum digital ausgewertet werden. Der Prozess soll es ermöglichen, wesentlich mehr Kandidaten in kürzerer Zeit experimentell zu überprüfen als in klassischen Laborprozessen.

Das Geschäftsmodell gewinnt mit dem Boom generativer KI zusätzlich an Bedeutung. Je schneller AI-Systeme neue Moleküle oder Proteine entwerfen können, desto wichtiger wird die physische Infrastruktur, die diese Vorschläge tatsächlich überprüft.

Adaptyv positioniert sich damit gewissermassen als Brücke zwischen digitaler künstlicher Intelligenz und realer Biologie.

Mehr als 100 Kunden

Nach Angaben des Unternehmens hat Adaptyv seine Laborkapazität innerhalb eines Jahres bereits um mehr als das Fünffache gesteigert und mehr als 100 Kunden gewonnen. Genannt werden unter anderem AI-Biologie-Unternehmen sowie Pharmaunternehmen wie Roche und Novo Nordisk.

Auch mit dem KI-Unternehmen Anthropic arbeitete Adaptyv bereits zusammen. Dabei wurden von einem KI-Modell entworfene Proteine im automatisierten Labor praktisch überprüft. Das Beispiel zeigt, wohin sich die Branche entwickeln könnte: KI-Systeme formulieren Hypothesen und entwerfen Experimente, automatisierte Labore führen sie durch und die gewonnenen Daten fliessen wiederum in die nächste Modellgeneration ein.

Lausanne soll deutlich wachsen

Ein wesentlicher Teil des neuen Kapitals soll in den Ausbau des Standorts Lausanne fliessen. Adaptyv plant, die Laborkapazität bis Ende 2026 nochmals deutlich zu erhöhen. Gleichzeitig soll das Team nach aktuellen Angaben stark wachsen. Zusätzlich ist für das vierte Quartal ein Labor- und Bürostandort in London geplant.

Damit ist die Finanzierungsrunde nicht nur eine Erfolgsmeldung für ein einzelnes Unternehmen. Sie unterstreicht auch die internationale Bedeutung des Life-Science-Clusters rund um Lausanne und den Genfersee.

Die Schweiz verfügt mit ihren Universitäten, Forschungseinrichtungen, Pharmaunternehmen und einem wachsenden Netzwerk von AI- und Biotech-Startups über ungewöhnlich gute Voraussetzungen für diese Verbindung von Informatik und Lebenswissenschaften.

Ein neuer Markt zwischen KI und Biologie

Noch ist offen, wie stark automatisierte AI-Labore die Medikamentenentwicklung tatsächlich beschleunigen werden. Doch Investoren setzen zunehmend darauf, dass nicht nur leistungsfähigere KI-Modelle benötigt werden, sondern auch die Infrastruktur, die deren wissenschaftliche Hypothesen schnell in reale Experimente übersetzen kann.

Für Adaptyv ist die 40-Millionen-Dollar-Runde deshalb vor allem Wachstumskapital. Für den Schweizer Innovationsstandort ist sie gleichzeitig ein starkes Signal: Während weltweit um die nächste Generation künstlicher Intelligenz konkurriert wird, entstehen in der Schweiz Unternehmen, die AI mit Bereichen verbinden, in denen das Land bereits über jahrzehntelange wissenschaftliche und industrielle Kompetenz verfügt.

Sollte sich automatisierte experimentelle Biologie tatsächlich zu einem zentralen Bestandteil der AI-gestützten Medikamentenentwicklung entwickeln, könnte Lausanne bei dieser Entwicklung ganz vorne mitspielen.

websetcom

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