Zug und Zürich dominieren den Schweizer Kryptostandort

 Zug und Zürich dominieren den Schweizer Kryptostandort

Zug und Zürich sind das Zentrum der Schweizer Crypto-Asset-Branche. Laut der Crypto Assets Study 2026 haben 58 Prozent der untersuchten Anbieter ihren Hauptsitz in einem der beiden Kantone.

Die Schweiz behauptet ihre starke Position bei digitalen Vermögenswerten: Eine neue Studie der Hochschule Luzern identifiziert 399 aktive Crypto-Asset-Anbieter in der Schweiz und Liechtenstein. Mehr als die Hälfte davon konzentriert sich auf nur zwei Kantone – Zug und Zürich. Gleichzeitig zeigt sich, dass Kryptowährungen und Token zunehmend mit der traditionellen Finanzwelt verschmelzen.

Aus einer Bewegung von Blockchain-Pionieren ist innerhalb weniger Jahre ein beachtliches Finanz- und Technologie-Ökosystem entstanden.Und dessen Zentrum liegt mitten in der Schweiz.

58 Prozent der untersuchten Crypto-Asset-Anbieter in der Schweiz und Liechtenstein haben ihren Hauptsitz in den Kantonen Zug oder Zürich.

Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Crypto Assets Study 2026 des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern.Insgesamt identifizierten die Forschenden 399 aktive Unternehmen, die Produkte, Dienstleistungen oder Infrastruktur rund um Crypto Assets anbieten. Besonders stark ist der Kanton Zug: 32 Prozent der 399 untersuchten Anbieter haben dort ihren Hauptsitz.Damit bestätigt die neue Untersuchung einmal mehr die Bedeutung des sogenannten Crypto Valley.

Aus dem Crypto Valley ist ein Ökosystem geworden

Zug gehört bereits seit Jahren zu den international bekanntesten Blockchain-Standorten. Doch die neue Studie zeigt, dass sich die Branche inzwischen deutlich weiterentwickelt hat.

Es geht längst nicht mehr nur um Bitcoin-Börsen, Kryptowährungen oder die Finanzierung junger Blockchain-Projekte.

Das Ökosystem umfasst heute unter anderem Brokerage, Verwahrung digitaler Vermögenswerte, Compliance-Lösungen, Handelsinfrastruktur und weitere Investment Services.

Investment Services bilden laut Studie die grösste Dienstleistungskategorie. Danach folgen Infrastructure Services – beispielsweise Compliance-Lösungen – sowie sogenannte Post-Trading-Infrastrukturen, zu denen unter anderem Custody-Angebote gehören.

Damit nähert sich die Crypto-Industrie zunehmend der klassischen Finanzwelt an.

Zug und Zürich ergänzen sich

Dass ausgerechnet Zug und Zürich gemeinsam 58 Prozent der Anbieter auf sich vereinen, ist kein Zufall.

Die beiden Standorte bringen unterschiedliche Stärken zusammen.

Zug hat sich früh als international sichtbares Zentrum für Blockchain-Unternehmen etabliert und besitzt ein dichtes Netzwerk aus Technologieunternehmen, Investoren, spezialisierten Dienstleistern und internationalen Unternehmern.

Zürich wiederum ist das Zentrum des grössten Schweizer Finanzplatzes und verfügt über Banken, Versicherungen, Hochschulen, Technologieunternehmen und eine ausgeprägte Fintech-Szene.

Die geografische Nähe der beiden Standorte verstärkt diesen Effekt zusätzlich.

Aus dem ursprünglichen Crypto Valley entsteht damit zunehmend ein breiterer Digital-Asset-Cluster zwischen Zug und Zürich.

399 Anbieter – und der Markt stabilisiert sich

Interessant ist auch die Entwicklung der Anzahl Unternehmen.

Die Forschenden identifizierten exakt 399 Crypto-Dienstleister – ungefähr gleich viele wie im Vorjahr.

Das lässt sich als Zeichen dafür interpretieren, dass sich das Ökosystem nach Jahren schnellen Wachstums zunehmend stabilisiert.

Entscheidend ist inzwischen weniger die reine Zahl neuer Unternehmen als die Frage, welche Dienstleistungen angeboten werden und wie stark digitale Vermögenswerte in bestehende Finanzstrukturen integriert werden.

Gerade hier zeigt die Studie eine interessante Entwicklung.

Viele Anbieter konzentrieren sich nicht mehr ausschliesslich auf Privatkunden.

Mehr als die Hälfte der Unternehmen bietet Dienstleistungen sowohl für private als auch für geschäftliche Kunden an.

Die Branche wird damit zunehmend institutionell.

Kryptowährungen erreichen die klassische Finanzwelt

Ein besonders deutliches Zeichen dafür ist die Entwicklung traditioneller Anlageprodukte mit Bezug zu Crypto Assets.

Ende Juni 2026 erfasste die Studie 248 unterschiedliche ISINs von kryptobezogenen ETPs und Open-End-Fonds, die in der Schweiz und Liechtenstein zum Vertrieb verfügbar waren, dort domiziliert oder gehandelt wurden.

Das sind rund 20 Prozent mehr als im Juni 2025.

Für Anleger bedeutet das: Der Zugang zu digitalen Vermögenswerten erfolgt immer häufiger über Strukturen, die aus der traditionellen Finanzwelt bekannt sind.

Statt Kryptowährungen selbst über eine spezialisierte Plattform kaufen und verwahren zu müssen, können Anleger beispielsweise regulierte börsengehandelte Produkte nutzen.

Die Grenzen zwischen klassischer Finanzindustrie und Crypto-Wirtschaft werden dadurch zunehmend unscharf.

Schweizer Franken gewinnt beim Krypto-Handel an Bedeutung

Auch bei der Handelswährung gibt es eine bemerkenswerte Entwicklung.

Im ersten Halbjahr 2026 wurden auf der SIX Swiss Exchange weiterhin rund 65 Prozent des Handelsvolumens mit kryptobezogenen Produkten in US-Dollar abgewickelt.

Doch der Schweizer Franken gewinnt an Bedeutung.

Der Anteil der in Franken denominierten Produkte am Handelsvolumen stieg auf rund 27 Prozent.

Nach Angaben der Hochschule Luzern ist dies der höchste Wert innerhalb des untersuchten Zeitraums.

Das ist ein interessantes Signal für den Schweizer Finanzplatz.

Digitale Vermögenswerte werden damit nicht nur über Schweizer Unternehmen und Börsen angeboten – auch der Franken spielt innerhalb dieses Marktes eine zunehmend wichtige Rolle.

Rund 1,16 Milliarden Franken Börsenhandel

Die Studie zeigt allerdings auch, dass Wachstum nicht in jedem Bereich stattfindet.

Das Handelsvolumen von Crypto-Asset-bezogenen Produkten an den Schweizer Börsen SIX und BX Swiss belief sich im ersten Halbjahr 2026 auf rund 1,16 Milliarden Franken.

Damit lag es unter früheren Höchstständen.

Auch die verwalteten Vermögen entwickelten sich volatil.

Ende Juni 2026 belief sich das untersuchte Anlagevermögen kryptobezogener ETPs und Open-End-Fonds auf rund 10 Milliarden Franken.

Das zeigt: Die Branche ist zwar strukturell breiter geworden, bleibt aber stark von Markt- und Preisbewegungen abhängig.

Die eigentliche Erfolgsgeschichte des Schweizer Standorts liegt deshalb weniger in kurzfristigen Kursen oder Handelsvolumen als in der Infrastruktur, die sich rund um digitale Vermögenswerte entwickelt hat.

Vertrauen wird zum entscheidenden Faktor

Eine weitere Untersuchung im Rahmen der Crypto Assets Study zeigt zudem, wie sich die Einstellung Schweizer Anleger verändert.

Nach Angaben aus dem Studienumfeld besitzen inzwischen 18 Prozent der Schweizer Bevölkerung Crypto Assets.

Besonders interessant ist dabei, worauf Anleger bei der Wahl eines Anbieters achten.

Vertrauen in etablierte und regulierte Finanzinstitutionen spielt eine wichtige Rolle – teilweise sogar dann, wenn deren Dienstleistungen teurer sind als jene spezialisierter Crypto-Plattformen.

Für den Schweizer Finanzplatz könnte genau darin eine grosse Chance liegen.

Denn Regulierung, Stabilität, Vermögensverwaltung und Vertrauen gehören traditionell zu seinen Kernkompetenzen.

Der nächste Schritt könnte die Tokenisierung sein

Die Entwicklung geht inzwischen über Kryptowährungen hinaus.

Ein zunehmend wichtiger Bereich ist die Tokenisierung realer Vermögenswerte.

Dabei werden beispielsweise Wertpapiere, Immobilien oder andere finanzielle Ansprüche digital auf einer Distributed-Ledger-Infrastruktur abgebildet.

Die IFZ-Studie beschäftigt sich 2026 unter anderem mit einer besonders schweizerischen Anwendung: der möglichen Tokenisierung von Hypotheken.

Im Rahmen einer Arbeitsgruppe wurde untersucht, wie ein Schweizer Hypotheken-Token in der Praxis aussehen könnte.

Das zeigt, wohin sich die Diskussion verschiebt.

Die entscheidende Frage lautet nicht mehr nur:

Wie entwickelt sich Bitcoin?

Sondern zunehmend:

Welche Teile des traditionellen Finanzsystems können künftig auf digitaler Infrastruktur abgewickelt werden?

Ein Schweizer Standortvorteil mit internationaler Ausstrahlung

Für die Schweiz ist diese Entwicklung strategisch interessant.

Das Land besitzt einen international bedeutenden Finanzplatz, eine starke Hochschul- und Forschungslandschaft, ein etabliertes Fintech-Ökosystem und inzwischen jahrelange Erfahrung mit Blockchain-Unternehmen.

Zug und Zürich verbinden diese Faktoren auf engem geografischem Raum.

Dass 58 Prozent von 399 untersuchten Crypto-Asset-Anbietern in diesen beiden Kantonen angesiedelt sind, zeigt die aussergewöhnliche Konzentration.

Noch bemerkenswerter ist jedoch die Transformation, die dahintersteht.

Aus einem Standort, der international zunächst vor allem durch Kryptowährungen und Blockchain-Startups bekannt wurde, entsteht zunehmend ein professionelles Ökosystem für digitale Vermögenswerte, Finanzinfrastruktur, Custody, Compliance und Tokenisierung.

Damit könnte die eigentliche Erfolgsgeschichte des Crypto Valley gerade erst in ihre nächste Phase eintreten.

Nicht der nächste Krypto-Hype dürfte darüber entscheiden, wie bedeutend Zug und Zürich langfristig werden – sondern die Frage, ob es der Region gelingt, digitale Vermögenswerte dauerhaft mit den Stärken des Schweizer Finanzplatzes zu verbinden.

websetcom

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