Schweizerin rast zu WM-Silber: Lisa Baumann feiert den grössten Erfolg ihrer Karriere

 Schweizerin rast zu WM-Silber: Lisa Baumann feiert den grössten Erfolg ihrer Karriere

Lisa Baumann feiert bei der Mountainbike-WM 2026 im Val di Sole den grössten WM-Erfolg ihrer Karriere: Die Schweizer Downhill-Spezialistin gewinnt Silber.

Auf einer der härtesten Downhill-Strecken der Welt fährt Lisa Baumann bei der Mountainbike-WM im italienischen Val di Sole zu Silber. Die 25-jährige Neuenburgerin darf sogar kurz von Gold träumen – am Ende ist nur die überragende Valentina Höll schneller.

Es sind etwas mehr als vier Minuten, in denen alles zusammenkommen muss. Geschwindigkeit, Mut, Technik und die Fähigkeit, auf einer Strecke voller Wurzeln, Steine und Sprünge auch unter maximalem Druck die Kontrolle zu behalten.

Lisa Baumann gelingt genau das.

Die 25-jährige Schweizerin fährt bei der Mountainbike-Weltmeisterschaft im italienischen Val di Sole im Downhill zu WM-Silber und feiert damit die erste WM-Medaille ihrer Karriere.

Auf der berüchtigten «Black Snake» benötigt Baumann 4:03,286 Minuten für ihren Lauf.

Nur eine Athletin ist schneller: Valentina Höll aus Österreich.

Die grosse Favoritin gewinnt mit einem Vorsprung von 1,728 Sekunden und schreibt dabei selbst Geschichte. Für Höll ist es bereits der fünfte WM-Titel in Folge.

Für Lisa Baumann bedeutet Rang zwei trotzdem den bislang grössten Erfolg ihrer Downhill-Karriere.

Schon in der Qualifikation die Schnellste

Dass Baumann an diesem Wochenende um die Medaillen kämpfen könnte, hatte sich bereits am Freitag angekündigt.

In der Qualifikation fährt die Neuenburgerin in 4:02,591 Minuten Bestzeit – schneller als sämtliche Konkurrentinnen.

Plötzlich ist klar: Hier könnte mehr möglich sein als nur eine gute Platzierung.

Im Final wartet allerdings eine der anspruchsvollsten Strecken des internationalen Mountainbike-Sports.

Die «Black Snake» in Val di Sole gilt als technisch extrem schwierig. Laut dem internationalen Radsportverband UCI ist der Downhill-Kurs rund 2,3 Kilometer lang und überwindet etwa 550 Höhenmeter.

Fehler werden auf einer solchen Strecke sofort bestraft.

Baumann startet als Drittletzte.

Und sie liefert.

Zwischenzeitlich nur auf Rang vier

Der Lauf verläuft allerdings nicht perfekt.

Zwischenzeitlich fällt die Schweizerin an einer Messstelle auf den vierten Zwischenrang zurück. Doch statt den Rhythmus zu verlieren, steigert sich Baumann im entscheidenden letzten Streckenabschnitt nochmals.

Mit hohem Tempo kommt sie ins Ziel.

Die Uhr stoppt bei 4:03,286 Minuten.

Bestzeit.

In diesem Moment steht fest: Lisa Baumann hat ihre erste WM-Medaille gewonnen.

Die Frage ist nur noch, welche Farbe sie haben wird.

Plötzlich darf die Schweiz von Gold träumen

Nach Baumann startet die Französin Marine Cabirou. Sie kann die Zeit der Schweizerin nicht gefährden.

Damit steht Baumann mindestens als Silbermedaillengewinnerin fest.

Nur noch eine Fahrerin kann ihr Gold nehmen.

Valentina Höll.

Die Österreicherin kommt als grosse Favoritin nach Val di Sole. Sie dominiert seit Jahren den internationalen Frauen-Downhill und hat vor dieser Weltmeisterschaft bereits vier WM-Titel in Folge gewonnen.

Doch zunächst sieht es für Baumann hervorragend aus.

Im ersten Abschnitt liegt Höll sogar knapp hinter der Schweizerin.

Für einen kurzen Moment scheint die Sensation tatsächlich möglich.

Dann zeigt die Österreicherin, warum sie die dominierende Downhill-Fahrerin ihrer Generation ist.

Höll steigert das Tempo und überquert die Ziellinie schliesslich 1,728 Sekunden vor Baumann.

Gold für Österreich.

Silber für die Schweiz.

Bronze geht an die Britin Harriet Harnden, die lediglich 0,318 Sekunden hinter Baumann bleibt.

«Glücklich und ein bisschen enttäuscht»

Wie nahe Freude und Ehrgeiz im Spitzensport beieinanderliegen können, zeigte Baumanns Reaktion unmittelbar nach dem Rennen.

Gegenüber SRF beschrieb sie ihre Gefühle als gleichzeitig glücklich und etwas enttäuscht.

Das ist verständlich.

Wer in der Qualifikation die schnellste Zeit fährt und im Finale zeitweise von WM-Gold träumen darf, sieht zunächst vielleicht jene 1,728 Sekunden, die am Ende fehlen.

Mit etwas Abstand dürfte jedoch eine andere Zahl wichtiger werden:

Platz zwei bei einer Weltmeisterschaft.

Baumann ist damit endgültig in der absoluten Weltspitze angekommen.

Zwei EM-Titel – jetzt die erste WM-Medaille

Der Erfolg kommt nicht aus dem Nichts.

Baumann wurde bereits 2024 und 2025 Europameisterin im Downhill. Auch in der laufenden Saison hatte sie international mehrfach gezeigt, dass sie zu den schnellsten Fahrerinnen der Welt gehört.

Vor der WM lag sie auf Rang zwei der UCI-Downhill-Weltcupwertung und hatte bereits mehrere Podestplätze erreicht.

Was in ihrer Karriere bislang fehlte, war eine Medaille bei einer Elite-Mountainbike-Weltmeisterschaft.

Diese Lücke ist nun geschlossen.

Und zwar auf einer Bühne, die kaum anspruchsvoller sein könnte.

Erste Schweizer Downhill-WM-Medaille seit 2023

Baumanns Silber besitzt auch für den Schweizer Mountainbike-Sport besondere Bedeutung.

Es ist die erste Schweizer WM-Medaille im Elite-Downhill der Frauen seit Camille Balanche 2023 in Glasgow ebenfalls Silber gewann.

Die Verbindung ist interessant: Wie Baumann stammt auch Balanche aus dem Kanton Neuenburg und gehörte über Jahre zur Weltspitze.

Nun setzt Lisa Baumann diese Schweizer Downhill-Tradition fort.

Und sie ist erst 25 Jahre alt.

Auch der Schweizer Nachwuchs jubelt

Der Samstag in Val di Sole brachte der Schweiz sogar noch einen weiteren grossen Erfolg.

Bei den Junioren gewann der erst 17-jährige Raoul Schneeberger WM-Gold im Downhill.

Besonders bemerkenswert: In der Qualifikation hatte der Schweizer lediglich Rang 15 belegt. Im Final steigerte er sich massiv und setzte sich mit knapp einer halben Sekunde Vorsprung durch.

Damit standen am selben Tag gleich zwei Schweizer Downhill-Athleten bei der Weltmeisterschaft auf dem Podest.

Schneeberger mit Gold.

Baumann mit Silber.

Die Jagd nach dem nächsten Schritt beginnt

Für Lisa Baumann könnte die Silbermedaille dabei weniger ein Endpunkt als vielmehr der Beginn des nächsten Kapitels ihrer Karriere sein.

Zweifache Europameisterin ist sie bereits.

Nun ist sie auch WM-Medaillengewinnerin.

Und dass sie Weltmeisterin Valentina Höll zumindest gefährlich werden kann, hat sie in Val di Sole eindrucksvoll gezeigt: Baumann war in der Qualifikation schneller als die gesamte Konkurrenz und lag auch im entscheidenden WM-Lauf zeitweise auf Goldkurs.

Am Ende fehlten 1,728 Sekunden zum Regenbogentrikot.

Im Downhill können 1,728 Sekunden eine kleine Ewigkeit sein.

Für eine Karriere können sie aber auch eine gewaltige Motivation bedeuten.

Lisa Baumann verlässt Val di Sole nicht als Weltmeisterin – aber als eine der schnellsten Downhill-Fahrerinnen der Welt.

websetcom

Kommentare