Infantino unter massivem Druck: US-Kongress prüft Trump-Nähe – UEFA rebelliert gegen FIFA-Milliardenplan

Gianni Infantino gerät wenige Tage nach dem Ende der Fussball-WM 2026 gleich an mehreren Fronten unter Druck. Ein führender US-Demokrat verlangt Dokumente über die Beziehungen der FIFA zu Donald Trump. Gleichzeitig eskaliert der Machtkampf mit der UEFA wegen Infantinos Plan, Teile des kommerziellen WM-Geschäfts für Milliarden für private Investoren zu öffnen.

Darum gehts

US-Kongressabgeordneter Jamie Raskin verlangt von FIFA Informationen über Geschenke, Zahlungen und Kontakte mit Donald Trump und dessen Umfeld. Gleichzeitig wirft er der FIFA problematische Ticketpraktiken rund um die WM 2026 vor. Doch damit nicht genug: Infantinos neuer Milliardenplan für die Vermarktung der Weltmeisterschaft löst inzwischen einen offenen Aufstand innerhalb des Weltfussballs aus.

Für FIFA-Präsident Gianni Infantino dürfte die Party nach der Rekord-WM 2026 endgültig vorbei sein.

Noch am 18. Juli feierte der Schweizer gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump in dessen Trump Tower die Weltmeisterschaft als überwältigenden Erfolg. Laut FIFA besuchten mehr als 6,6 Millionen Zuschauer die Spiele – ein neuer WM-Rekord. Infantino sprach sogar von der «grössten Weltmeisterschaft aller Zeiten».

Wenige Tage später sieht die politische Lage komplett anders aus.

US-Politiker verlangt Unterlagen über Trump und FIFA

Jamie Raskin, der ranghöchste Demokrat im Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses, hat Infantino mit einem fünfseitigen Schreiben ins Visier genommen.

Bis 9. August 2026 soll FIFA umfangreiche Dokumente herausgeben. Raskin verlangt unter anderem eine Liste sämtlicher Geldzahlungen, Geschenke, Auszeichnungen, öffentlichen Auftritte oder anderer Vorteile, die Donald Trump, Regierungsmitgliedern, deren Familien oder mit ihnen verbundenen Firmen zugutegekommen sind. Auch sämtliche relevanten Unterlagen zum FIFA-Büro im Trump Tower und zum eigens geschaffenen «FIFA Peace Prize» für Trump sollen offengelegt werden.

Besonders brisant: Raskin fordert ausserdem sämtliche Kommunikation seit 2024 mit US-Regierungsvertretern über Angelegenheiten beim Justizministerium oder anderen Bundesbehörden sowie Kontakte zu den FIFA-Ticketpraktiken. Auch Besucherlisten der FIFA-Büros in Miami und New York stehen auf seiner Liste.

Infantino soll zusätzlich zu einer protokollierten Befragung erscheinen.

Allerdings kann Raskin ihn derzeit nicht einfach vorladen. Die Republikaner kontrollieren das Repräsentantenhaus; ohne entsprechende Unterstützung verfügt der Demokrat nicht über die nötige Ausschussmehrheit für eine verpflichtende Vorladung.

Trump Tower und ein Friedenspreis

Raskins Ton ist aussergewöhnlich scharf.

Er wirft Infantino vor, FIFA habe seit Trumps Rückkehr ins Weisse Haus systematisch versucht, dessen Gunst zu gewinnen. Als Beispiele nennt er den Ende 2025 erstmals vergebenen FIFA Peace Prize, den Trump erhielt, und die FIFA-Räumlichkeiten im Trump Tower.

Raskin behauptet, entsprechende Büroräume könnten auf Jahresbasis rund 600’000 Dollar kosten. In seinem Schreiben stellt er die Frage, ob solche Vorteile dazu dienen könnten, Entscheidungen der Trump-Regierung zugunsten der FIFA zu beeinflussen. Das ist bislang ein politischer Vorwurf, kein gerichtlich festgestellter Bestechungsfall.

Auch die sportliche Ebene sorgt für Explosivität.

Während der WM telefonierte Trump mit Infantino im Zusammenhang mit der Rot-Sperre des US-Stürmers Folarin Balogun. FIFA entschied später, die automatische Spielsperre auf Bewährung auszusetzen.

Infantino bestätigte selbst, den Anruf von Trump erhalten zu haben, betonte jedoch, die FIFA-Rechtsorgane seien unabhängig und hätten autonom entschieden.

Die UEFA reagierte damals ungewöhnlich heftig. Die Entscheidung habe eine «rote Linie» überschritten und gefährde die Integrität und Glaubwürdigkeit des Wettbewerbs, erklärte der europäische Verband.

Final-Tickets für fast 33’000 Dollar

Auch die Ticketpreise beschäftigen nun die US-Politik.

Das nordamerikanische WM-Bewerbungsdossier hatte für den Final ursprünglich einen maximalen Ticketpreis von 1550 Dollar vorgesehen. Raskin verweist darauf, dass FIFA später Finaltickets für beinahe 33’000 Dollar pro Sitzplatz angeboten habe – mehr als das Zwanzigfache.

Bei der Formulierung «Dynamic Pricing» gibt es allerdings eine wichtige Differenz: FIFA selbst bezeichnet sein System als variable Preisgestaltung, bei der Preise abhängig von Nachfrage und Verfügbarkeit zwischen Verkaufsphasen angepasst werden können. Eine vollautomatische dynamische Preisgestaltung implementiere man ausdrücklich nicht.

Zusätzlich sorgte der offizielle FIFA-Zweitmarkt für Schlagzeilen. Dort wurden Finaltickets zeitweise für mehr als 2 Millionen Dollar angeboten. Diese Preise wurden allerdings von den Verkäufern festgelegt, nicht von FIFA. FIFA kassierte bei Verkäufen über den Marketplace Gebühren von Käufer und Verkäufer.

Raskin spricht dennoch von «price gouging» und betrügerischen Verkaufsmethoden. Auch Behörden in New York und New Jersey haben Untersuchungen zu den Ticketpraktiken eingeleitet.

Und jetzt explodiert der nächste FIFA-Streit

Während Washington Antworten verlangt, baut sich für Infantino gleichzeitig eine noch grössere Krise innerhalb des Fussballs auf.

FIFA möchte eine neue Gesellschaft namens FIFA Forward Enterprise (FFE) schaffen. Darin sollen zentrale kommerzielle Aktivitäten gebündelt werden – darunter Medienrechte, Sponsoring, Ticketing, Lizenzierung sowie operative Bereiche von FIFA-Turnieren.

Das Unternehmen soll nach FIFA-Angaben mit 20 Milliarden Dollar bewertet werden. Durch den Verkauf nicht kontrollierender Minderheitsbeteiligungen an externe Investoren möchte FIFA bis zu 4,2 Milliarden Dollar frisches Kapital aufnehmen. FIFA versichert, die Kontrolle über die Gesellschaft sowie sämtliche sportlichen und regulatorischen Entscheidungen zu behalten.

Zu den möglichen Investoren gehört laut Berichten auch ein Investmentvehikel von Joshua Kushner, dem Bruder von Jared Kushner – Trumps Schwiegersohn. J.P. Morgan begleitet das Vorhaben.

Damit bekommt die ganze Affäre zusätzlich politischen Zündstoff.

Milliarden für 211 Verbände

Infantino verspricht den FIFA-Mitgliedern im Gegenzug enorme finanzielle Möglichkeiten.

Jeder der 211 Verbände könnte zunächst bis zu 20 Millionen Dollar Sonderfinanzierung erhalten. Für den Zyklus 2027 bis 2030 wären weitere 20 Millionen vorgesehen, danach sollen die Beiträge auf 22 Millionen und schliesslich 24 Millionen Dollar pro Verband steigen.

Insgesamt spricht FIFA von mehr als 10 Milliarden Dollar für die Entwicklung des Weltfussballs.

Doch genau hier liegt der nächste Streitpunkt.

Für das zusätzliche einmalige 20-Millionen-Paket müssen Verbände das Modell laut aktuellen Berichten bis 19. September unterstützen. Danach soll das Angebot entfallen.

Die UEFA sieht darin offenbar massiven Druck.

UEFA attackiert Infantino frontal

Der europäische Verband reagiert inzwischen mit einer Schärfe, die im internationalen Fussball selten geworden ist.

Nachdem die Frist bekannt geworden war, erklärte die UEFA am Mittwoch:

«This says everything you need to know about this plan.»

Die UEFA kritisiert insbesondere, dass Verbände den Plan unterstützen sollen, andernfalls aber die einmalige Auszahlung verlieren könnten. Laut Verband wachse der Widerstand gegen das FIFA-Modell.

Schon zuvor hatte die UEFA erklärt, die Pläne würden eine Grenze überschreiten. Die «Seele und Governance des Fussballs» seien keine Vermögenswerte, die verkauft werden könnten.

Auch zahlreiche europäische Nationalverbände äusserten laut Reuters Bedenken wegen mangelnder Transparenz und fehlender Konsultation.

Die UEFA hat inzwischen ein Sondertreffen ihrer 55 Mitgliedsverbände angesetzt. Dabei könnte auch über weitreichendere Konsequenzen gesprochen werden. Berichte über einen möglichen Boykott künftiger FIFA-Wettbewerbe existieren bereits – beschlossen ist ein solcher Schritt allerdings nicht.

Ausgerechnet nach der erfolgreichsten WM

Das Timing könnte für Infantino kaum explosiver sein.

Sportlich und kommerziell kann FIFA die WM 2026 als gewaltigen Erfolg verkaufen. Mehr als 6,6 Millionen Fans besuchten die Spiele. FIFA selbst spricht von einem historischen Turnier.

Doch unmittelbar danach kumulieren mehrere Konflikte:

Die Trump-Nähe wird zum Gegenstand einer parlamentarischen Untersuchung. Die Ticketpreise beschäftigen US-Behörden. Die UEFA zweifelt offen an Entscheidungen der FIFA. Und nun droht der geplante Einstieg privater Investoren einen Machtkampf auszulösen, der weit über Europa hinausgeht.

Infantino wiederum geht auf Konfrontation mit seinen Kritikern. In seiner Botschaft nach der WM sprach er von Menschen, die hinter Bildschirmen «Hass und falsche Gerüchte» verbreiteten. Während andere teilten, vereine FIFA die Menschen, so seine Botschaft.

Doch der Druck dürfte damit kaum verschwinden.

Denn diesmal geht es nicht nur um einen umstrittenen Entscheid oder einen hohen Ticketpreis. Es geht gleichzeitig um Geld, politische Nähe, Transparenz und die Frage, wem das grösste Fussballturnier der Welt wirtschaftlich eigentlich gehört.

Und diese Auseinandersetzung könnte für Gianni Infantino gefährlicher werden als jede Kritik während der WM.

websetcom

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