Trump am WEF in Davos: Grönland, Zölle und Energie – und Europa «nicht in die richtige Richtung»
Der Auftritt von US-Präsident Donald Trump am Weltwirtschaftsforum (WEF) 2026 in Davos hat die Agenda der Konferenz praktisch überlagert: Statt Konjunktur und Innovation dominierten am Mittwoch die transatlantischen Spannungen rund um Grönland, angedrohte Strafzölle – und Trumps Frontalangriff auf Europas Kurs
Anreise mit Verzögerung – Davos im Ausnahmezustand
Schon vor der Rede sorgte Trumps Anreise für Schlagzeilen: Laut Medienberichten musste die Air Force One wegen eines technischen Problems umkehren; danach reiste Trump mit einer Ersatzmaschine weiter und flog von Zürich per Helikopter nach Davos.
In Davos selbst laufen während des WEF traditionell massive Sicherheitsmassnahmen – dieses Jahr nochmals verschärft, weil Trump als «Magnet» wirkt und eine grosse US-Delegation anzieht. SRF spricht von «Little America» in den Schweizer Alpen.
«Ich liebe Europa – aber …»: Trumps Kritik an Europas Kurs
In seiner Rede sagte Trump, Europa bewege sich «in die falsche Richtung». Er verband das mit grundsätzlicher Kritik an europäischen Entscheidungen – unter anderem mit Blick auf Migration – und stellte die USA als Modell dar, dem man sich stärker annähern solle.
Grönland im Zentrum: «Wir brauchen es für die nationale Sicherheit»
Das politisch brisanteste Thema blieb Grönland. Trump bekräftigte erneut, die USA wollten die Kontrolle über die Insel – und begründete das mit Sicherheitsinteressen. Reuters berichtet zudem, Trump habe angekündigt, in Davos Gespräche über das «dänische Territorium» zu führen.
Auch Swissinfo meldete im Vorfeld, Trump habe ein Treffen «mit verschiedenen Parteien» in Davos in Aussicht gestellt – nach einem Telefonat mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte.
Der Druck ist hoch: Laut Reuters warnen Nato-Kreise, Trumps Grönland-Strategie könne das Bündnis belasten; Dänemark und Grönland signalisierten gleichzeitig Offenheit für eine stärkere US-Präsenz, ohne Souveränität abzugeben.
Zölle als Hebel – und Europas Gegenreaktion
Parallel zur Grönland-Forderung stehen Zolldrohungen im Raum. AP berichtet, Trump habe gegenüber Dänemark und weiteren Verbündeten «steile Importsteuern» angedroht, falls sie einer Abtretung/Übertragung Grönlands nicht zustimmen – ein Szenario, das auch die europäisch-amerikanischen Handelsbeziehungen erneut belasten könnte.
Aus der EU kamen klare Signale: Ursula von der Leyen betonte in Davos die Bedeutung der Souveränität Grönlands und Dänemarks für die transatlantischen Beziehungen.
Und auch aus London kam Widerstand: Reuters zitiert Premier Keir Starmer mit der Aussage, Grossbritannien werde «nicht nachgeben» gegenüber Druck im Grönland-Konflikt.
Energie als Machtfrage: Trumps Angriff auf «Green»-Politik
Neben Geopolitik setzte Trump in Davos auch einen energiewirtschaftlichen Kontrapunkt: Er kritisierte Europas Energie- und Klimapolitik scharf und stellte erneuerbare Energien als wirtschaftlichen Nachteil dar, während er zuverlässige Grundlast und fossile Energie als strategischen Vorteil rahmte.
Passend dazu warnte eine am selben Tag in britischen Medien aufgegriffene Analyse vor Europas wachsender Abhängigkeit von US-LNG seit dem Rückgang russischer Gaslieferungen – ein Risiko, das in einem eskalierenden Handelsstreit schnell geopolitisch werden kann.
Was bedeutet das für die Schweiz?
Für die Schweiz ist Davos Bühne und Belastung zugleich: Einerseits profitiert der Standort vom globalen Rampenlicht, andererseits steigen Sicherheitskosten und politischer Druck. Die Diskussion um Grönland, Zölle und Bündnispolitik zeigt, wie schnell ein WEF in der Schweiz zum Schauplatz harter Machtpolitik wird – selbst wenn die Schweiz nicht Vertragspartei der Konflikte ist.
Wie geht es weiter?
Laut Reuters sollte Trump am Folgetag stärker aussenpolitische Themen adressieren. Gleichzeitig bleibt offen, ob und in welchem Format es in Davos tatsächlich zu einem Grönland-Gespräch mit Beteiligten kommt – und ob die Zolldrohungen in konkrete Schritte münden.
